So, 26.01.2020
Wohl kaum ein anderer deutscher Film hat in der Populärkultur des 20. Jahrhunderts so viele Spuren hinterlassen wie Fritz Langs "Metropolis". Dabei polarisierte das produktionstechnische Mammutunternehmen der Ufa seit seiner Uraufführung am 10. Januar 1927 gleichermaßen Kritiker, Historiker und Publikum. Fritz lang hat die Komparsen stundenlang im Wasser stehen lassen. Sein extremer Hang zur äußersten Perfektion hat die UFA ins trudeln gebracht und es gab dauernd Stunk wegen Geld und Schauspielern. Allein die Geschichten über die Dreharbeiten haben ganze Bibliotheken gefüllt. Besucher des Mercedes Benz Museums werden einen Ausstattungsgegenstand aus dem Film wiedererkennen. Der Film selbst war ein riesiger Flopp und die Verleiher haben geschnitten und gekürzt und sich dann komplett verweigert. Die Nazis haben ganze Vorstellungen gekauft und dann im Kino randaliert und gehen den Film protestiert. Viele Jahre später gab es dann in Brasilien einen alten Opa der alle paar Jahre für Freunde angeblich "Metropolis" gezeigt hat auf einem uralten verrotteten Projektor, aber der Film war dort deutlich länger als die radikal gekürzte amerikanische Fassung. Kann das sein? Was lief denn da 80 Jahre nach der Uraufführung? Im Jahr 2008 folgte dann nichts Geringeres als eine filmhistorische Sensation: In Buenos Aires prüfte die Chefin des dortigen Filmmuseums, Paula Félix-Didier, ein 16-Millimeter-Negativ, nachdem sie Berichte über die ungewöhnliche Länge des Films erhalten hatte. Sie reiste mit einer Kopie nach Berlin und führte sie Experten vor, die sich schnell sicher waren, dass es sich beim Fund um die ursprüngliche, verloren geglaubte Langfassung des Films handelte. Bald darauf begann die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung zusammen mit weiteren, fach-kundigen Partnern ein umfangreiches Restaurierungsprojekt unter Einbezugnahme der verschollenen und nun wiederentdeckten Szenen. Mit der Welturaufführung dieser aufwändig rekonstruierten Fassung von "Metropolis" am 12. Februar 2010 in Frankfurt und Berlin kehrt die nahezu vollständige Urversion von Fritz Langs monumentalem Stummfilmklassiker auf die Kinoleinwand zurück.